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01.03.2016

An Erste Hilfe denken: Bewusstlose Kinder in stabile Seitenlage bringen

Bewusstlose, normal atmende Kinder, die in die stabile Seitenlage gebracht werden, müssen einer aktuellen europäischen Studie zufolge weniger häufig im Krankenhaus bleiben als Kinder, bei denen keine Erste Hilfe zum Einsatz kommt.

© Thomas Zagler - Fotolia.com

Stabile Seitenlage (© Thomas Zagler - Fotolia.com)

"Dies ist eine einfache Maßnahme, die viel bewirken kann. Auf der Seite und mit nach unten gerichteten Mund können Flüssigkeiten von dort leichter abfließen und gelangen nicht in die Luftröhre. Helfer sollten zuvor die Atmung überprüfen und die Atemwege freimachen. In Europa scheint diese Position in Vergessenheit geraten zu sein“, erklärt Dr. Hermann Josef Kahl, Bundespressesprecher des Berufsverbands für Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), und beruft sich dabei auf europäische Wissenschaftler, die davon in den „Archives of Disease in Childhood“ berichten. Nur etwas mehr als ein Viertel (26%) der Eltern bringen demnach ihre Kinder in die stabile Seitenlage, wenn diese bewusstlos sind.

Die meisten Eltern, die sich korrekt verhielten, berichteten, sie hätten diese Körperlage von Ärzten oder im Erste-Hilfe-Kurs gelernt. Mehr als die Hälfte der Eltern hatten jedoch andere Techniken, wie Wasser auf das Gesicht spritzen oder das Gesicht anblasen, ausprobiert. Einige dieser Methoden waren sogar gefährlich, beispielsweise das Schütteln und Schlagen des bewusstlosen Kindes. Für die betroffenen Kinder erhöhte sich dadurch das Risiko, im Krankenhaus behandelt werden zu müssen, auf das Doppelte im Vergleich zu solchen, bei denen die Eltern richtig reagiert hatten. Väter und Mütter erzählten, dass sie diese potenziell gesundheitsschädlichen Vorgehensweisen von Familienmitgliedern bekommen oder aus den Medien erfahren hätten. „Eltern die ratlos oder unsicher sind, wenn ihr Kind das Bewusstsein verliert, sollten die Notrufnummer wählen, bevor sie zu unsicheren Praktiken übergehen“, rät Dr. Kahl.

Die Experten hatten für ihre Untersuchung Daten von über 553 Säuglingen und Kindern bis zum Alter von 18 Jahren ausgewertet, die im Jahr 2014 in 11 pädiatrischen Notaufnahmen in ganz Europa gebracht worden waren, weil sie das Bewusstsein verloren hatten. Das Durchschnittsalter der Kinder betrug etwa drei Jahre. Im Mittel waren die Patienten ca. zwei Minuten lang ohnmächtig, aber etwa ein Drittel der Gruppe hatte das Bewusstsein für mehr als 20 Minuten verloren. Bei etwa der Hälfte der Patienten lösten Krampfanfälle die Bewusstlosigkeit aus, und bei knapp einem Viertel waren es „harmlose“ Ohnmachtsanfälle. Über ein Fünftel der Betroffenen litt unter einer bestehenden Erkrankung wie Epilepsie. Und etwa die Hälfte der Patienten hatte bereits zuvor schon einmal das Bewusstsein verloren.

Quelle: Arch Dis Child, Fox News/Reuters

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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des BVKJ-Elternportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.


Autor: äin-red