14.06.2012

Nordrhein: Kinder- und Jugendärzte verzweifelt gesucht



In der Kassenarzt-Region Nordrhein gibt es zur Zeit etwa 674 niedergelassene Kinder- und Jugendärzte. Eine noch ausreichende Zahl, finden der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein. Dennoch schlagen sie Alarm.

In den kommenden Jahren könnte es nach Einschätzungen der beiden Arztverbände zu einem gravierenden Engpass in der medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen kommen. „Noch haben wir keine Versorgungslücke, aber wir steuern direkt darauf zu“, sagte BVKJ-Vorstandsmitglied Dr. Jörg Hornivius - selbst Kinder- und Jugendarzt in Mönchengladbach in Düsseldorf. Der Hauptgrund dafür: Der begeisterte Nachwuchs fehlt.

Das wollen der BVKJ und die KV Nordrhein schnell ändern. Denn die Zeit drängt. In der Region Nordrhein sind 18% aller niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte 60 Jahre und älter. Das heißt, in den kommenden Jahren müssten gut 120 Stellen neu besetzt werden, um den Status-Quo der Versorgung zu erhalten. „Würde uns das problemlos gelingen, würden wir keinen Mucks von uns geben“, so Hornivius. Um junge Mediziner für den Kinder- und Jugendarzt-Beruf zu begeistern, werben die Verbände mit neuen Arbeitsmodellen verstärkt an den Universitäten. Dabei stützen sie sich auf Daten einer BVKJ-Umfrage.

Die Essenz daraus: Der Arztberuf wird weiblich, findet in Teilzeit statt und der Gemeinschaftsgedanke wird wichtiger. „Wir wollen jungen Ärzten die Angst vor der Praxisübernahme und dem finanziellen Risiko nehmen“, erklärte BVKJ-Sprecher Hermann-Josef Kahl. „Wir wollen zeigen, dass sich Beruf und Familie auch als praktizierender Arzt vereinbaren lassen.“ Das gilt vor allem im Hinblick auf die zunehmende Zahl weiblicher Kinder- und Jugendärzte. „Mittlerweile sind 80% der Kinder- und Jugendärzte und 70% der Medizinstudenten weiblich“, verdeutlichte Hornivius.

Viele der neuen Arbeitsmodelle sehen Kooperationen vor. Zum Beispiel regionale Ärztenetze, Gemeinschaftspraxen und Versorgungszentren. „Ein Arzt muss heute nicht mehr als Einzelkämpfer rund um die Uhr im Einsatz sein“, ergänzte Kahl. Ein weiteres Problem sei, dass sich junge Ärzte nur ungern in strukturschwachen und ländlichen Regionen niederließen, berichtete der Vorstandsvorsitzende der KV Nordrhein, Peter Potthoff. Kinder- und Jugendärztin Jutta Brüggemann kann das nicht verstehen. Die gebürtige Sauerländerin fühlt sich wohl im ländlichen Kreis Kleve und sagte: „Ich will hier nicht mehr weg.“

Quelle: dpa, KV Nordrhein



 
 

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