05.11.2010

Forscher entdecken Zusammenhang zwischen Neugeborenen-Gelbsucht und Autismus



Eine dänische Studie, die eine Dekade Geburtsjahrgänge (1994 bis 2004) verfolgte, wies einen Zusammenhang zwischen Neugeborenengelbsucht und einem erhöhten Risiko für psychologische Störungen, einschließlich Autismus, nach. Etwa 60% der Neugeborenen bekommen Gelbsucht, die aber in der ersten Woche von alleine wieder abklingt. Bei manchen Säuglingen hält die Gelbsucht jedoch weiter an bzw. übersteigt das dabei überschüssige Bilirubin einen Schwellenwert. „Unbehandelt können höhere Mengen Bilirubin die Blut-Hirn-Schranke überwinden und zu Schäden in den so genannten Basalganglien des Gehirns führen, die später Entwicklungsprobleme, z.B. bei der Orientierung im Raum, bei Bewegungsabläufen oder beim Spracherwerb, verursachen“, erläutert Prof. Hans-Jürgen Nentwich, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) mit langjähriger Klinikerfahrung.

Für ihre Arbeit werteten die Forscher um Dr. Rikke Damkjaer Maimburg von der Aarhus-Universität in Dänemark die Daten von über 730.000 Kindern aus. Demnach haben termingerecht geborene Kinder, die schwerer an Gelbsucht erkranken, ein um 67% erhöhtes Risiko, Autismus zu entwickeln und ein 88%-iges Risiko für andere psychologische Entwicklungsstörungen. Wenn die Mütter bereits Kinder geboren hatten und das Baby zwischen Oktober und März Geburtstag hatte, dann verstärkte dies laut den Wissenschaftlern den negativen Effekt einer solchen Gelbsuchterkrankung. Waren die Kinder jedoch Erstgeborene und lag ihr Geburtstermin zwischen April und September, konnten die Dänen keinen Einfluss mehr feststellen. Dr. Maimburg und seine Kollegen vermuten, dass Kinder, die in den wärmeren Monaten geboren werden, mehr Tageslicht ausgesetzt sind, was beim Abbau von Bilirubin hilft, oder/und bestimmte Infekte in der Winterzeit einen zusätzlichen gesundheitsschädlichen Beitrag leisten. Warum es eine Rolle spielt, ob die Mutter Erstgebärende ist, erklären Dr. Maimburg und ihr Team mit folgenden Hypothesen: Einmal könnte es sein, dass das erste Kind noch mehr Abwehrstoffe von der Mutter erhält. Ein anderes Erklärungsmodell geht davon aus, dass bei Erstgeborenen eine länger anhaltende bzw. stärkere Gelbsucht besser erkannt und behandelt wird, da diese Mütter in Dänemark länger im Krankenhaus bleiben, als wenn sie bereits Geburtserfahrung haben.

„Wenn Mütter mit ihrem neugeborenen Baby in Deutschland das Krankenhaus schon frühzeitig verlassen, wie z.B. nach einer ambulanten Geburt, müssen sie besonders darauf achten, die Neugeborenenbasisuntersuchung U2 beim Kinder- und Jugendarzt nicht zu versäumen. Die erste Untersuchung U1 erfolgt direkt nach der Entbindung – bei den meisten Kindern im Krankenhaus, die zweite so genannte Neugeborenenbasisuntersuchung sollte zwischen dem dritten und zehnten Tag nach der Geburt stattfinden. Bei einem kürzeren stationären Aufenthalt von Mutter und Kind muss ein niedergelassener Kinder- und Jugendarzt diese Vorsorgeuntersuchung durchführen. Dort kann eine bislang unerkannte, weiter bestehende Neugeborenengelbsucht festgestellt und behandelt werden, um längerfristige Schäden zu verhindern“, rät Prof. Nentwich.

Quelle: Pediatrics



 
 

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