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Die Trotzphase

Die Trotzphase geht einher mit der sogenannten analen Phase. Ab dem zweiten Lebensjahr kann das Kind seine Muskeln immer besser nach seinem eigenen Willen kontrollieren und lernt auch, seinen Schließmuskel zu beherrschen. Das Festhalten und Loslassen von Kot und Urin wird ein lustvolles Spiel, das für ein Kind auch Selbstständigkeit bedeutet. Gleichzeitig wird die gewonnene Selbstständigkeit von den Forderungen der Erwachsenen eingeschränkt, die im Rahmen der Sauberkeitserziehung das Kind mit Regeln konfrontieren. Das Kind erlebt, dass das „Häufchenmachen“ gut oder böse sein kann, je nachdem, ob es sich den Wünschen der Eltern beugt oder seinem spontanen Bedürfnis nachgeht.

Kleinkinder streben nach Unabhängigkeit.

Die anale Phase ist daher der Anfangspunkt der Auseinandersetzungen um Macht und Kontrolle, den eigenen Willen zu behalten oder sich einem fremden zu beugen. Das Kind erprobt seine Macht, erkennt seine Stärken, aber auch seine Schwächen. Es will erleben, dass es sich durchsetzen kann, ohne seine Geborgenheit zu verlieren, dass es zornig und wütend sein kann, ohne die Liebe der Mutter zu verlieren. Und braucht die Sicherheit, dass es sich lösen kann, ohne die Bindung zur Mutter zu verlieren. So lernt es mit seinen Gefühlen umzugehen.

In den ersten drei Lebensjahren entwickelt das Kind die Vorstellung, dass die Mutter gewissen Erwartungen entspricht und anderen nicht. Und es kann seine eigenen Gefühle und Verhaltensweisen als getrennt und unabhängig von dem Verhalten und den geäußerten Gefühlen der Mutter erkennen. Dies ist die Basis für ein Gefühl der Sicherheit beim Kind, dass es auch dann, wenn es mal so richtig wütend auf die Mutter ist, diese nicht verliert. Erst dann, wenn das Kind diese Sicherheit erlangt hat, ist es in der Lage sich für einige Stunden von der Mutter zu trennen und die neue erlangte Selbstständigkeit im Kindergarten zu genießen. Es ist nun in der Lage zu erkennen, dass es noch nicht alles selbst zu leisten vermag, dass es in vielerlei Hinsicht noch abhängig von Erwachsenen ist, dass es aber im Laufe der Jahre immer mehr hinzu lernen kann.

Manche Kindergärten bieten Eingewöhnungsphasen an. Die Kinder kommen anfangs nur an zwei oder drei Tagen in der Woche in den Kindergarten oder dürfen von der Mutter begleitet werden. Dies erleichtert es manchen Sprösslingen, sich von der Mutter zu lösen und sich von Neugierde locken zu lassen.

Autor: äin-red