Kinder- & Jugendärzte im Netz

Ihre Haus- & Fachärzte von der Geburt bis zum vollendeten 18. Lebensjahr

Herausgeber:

Dr. med. Matthias Krueger, Kinder- und Jugendarzt, 63911 Klingenberg

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Ätherische Öle 

Wie auch andere Kollegen habe ich zu Beginn meiner praktischen Tätigkeit den Kindern gerne ein ätherisches Öl-Präparat wie Soledum, Pinimenthol, Babix, Stas mild oder Ähnliches verordnet.
Nach einiger Zeit der Niederlassung ist mir aufgefallen, dass ca. 25% der Kinder, die mir eigentlich wegen eines oberen Atemwegsinfektes vorgestellt wurden, dann doch eine Bronchitis bekamen. Dieser so genannte „absteigende Infekt" ist bei 7 - 8 % der oberen Atemwegsinfekte bekannt, aber nicht in der von mir beobachteten Häufigkeit.

Außerdem trat häufiger ein Ausschlag an den Stellen auf, wo das Präparat aufgetragen wurde.
 
In meiner Ursachensuche fand ich in der medizinischen Literatur die Angabe, dass die ätherischen Öle bei Inhalation zu einer Überreaktion der Bronchien führen können; eigentlich müsste das sogar im Beipackzettel der Präparate aufgeführt sein.


Seitdem verordnete und empfahl ich diese Präparate nicht mehr und fand dabei zwei Sachen heraus:

  • Die Kinder hatten wesentlich seltener bronchiale Reaktionen (max. 10%) und
  • ich hatte den Kindern nichts weggenommen, was  sie zum Gesundwerden unbedingt brauchten.

Das sind die Gründe, warum ich eine solche Therapie nicht mehr empfehle.

Außerdem ist auch zu beschreiben, dass der Effekt, den Sie beim Lutschen z.B. eines Eukalyptus-Bonbon spüren (die Atemwege werden scheinbar freier), lediglich einem Kühleffekt auf den Schleimhäuten entspricht. Es wurde nachgewiesen, dass der Widerstand sich nicht verbessert (wie bei echter Weitung der Atemwege zu erwarten gewesen wäre), sondern sich sogar verschlechtern kann, da die Reizung zu einer vermehrten Durchblutung und dann einer reaktiven Schwellung und dadurch Verengung führen kann.

Zuletzt bitte ich Sie einfach um ein kurzes Nachdenken:
Wenn ich Ihnen für Ihr Kind ein Medikament verordnen würde, bei dem im Beipackzettel stehen würde, dass bei ca. 20% der Anwendungen Nebenwirkungen auftreten, dann würden Sie dieses Präparat aus Sorge vor einer möglichen Nebenwirkung mit Sicherheit nicht verwenden.
In etwa so hoch liegt die Nebenwirkungsrate der ätherischen Öle ...

 

Wichtig: die Bauchlage!

Über mehrere Jahre haben wir als Kinder- und Jugendärzte den Eltern den Eindruck vermittelt, dass das Kind vorwiegend nur auf dem Rücken liegen sollte. Als Schlaflage ist das genau richtig; zum Schlafen sollte das Kind nicht auf den Buch gelegt werden.

Leider haben wir aber auch den Eindruck vermittelt, dass die Kinder sonst auch nicht auf dem Buch liegen sollten.

Das hat dazu geführt, dass es mit der Zeit bei vielen Säuglingen zu einer Abflachung des Hinterhauptes kam, oder dass, wenn das Kind eine Lieblings-Seitenlage aufwies, auch eine Asymmetrie des Kopfes resultieren konnte. Dieses führte dann zu Behandlungsmaßnahmen von Empfehlungen, wie mit dem Kind umgegangen werden sollte, über physiotherapeutischen Therapien (Kranken- gymnastik) bis zu einer so genannten Helmtherapie, bei der die Kinder einen ihnen angepassten Helm tragen mußten, damt der Kopf sich im weiteren wieder symmetrisch entwickeln kann.

In den USA sind solche Maßnahmen kaum notwendig, weil dort große Kampagnen durchgeführt werden, in deren Folge diese negativen Auswirkung der vorwiegenden Rückenlage erst gar nicht auftreten. Eine dieser Kampagnen ist der einfach zu merkende Satz "Back to sleep, tummy to play" (zu Deutsch: Schlafen auf dem Rücken, Spielen auf dem Bauch), der die Eltern darüber informiert, dass eine Zeit von mindestens drei mal täglich mindestens zehn Minuten Bauchlage solche Behandlungsmaßnahmen nicht mehr notwendig sein läßt.

Die Kinder mögen häufig in der ersten Zeit die Bauchlage nicht, deshalb ist es sinnvoll, dass sich die Eltern in dieser Zeit mit zum Kind legen und mit ihm spielen, um es dadurch ablenken. Kollegin Oetje und Kollege Seiber aus Empelde haben ein amerikanisches Merkblatt dazu übersetzt und auf deutsche Verhältnisse übertragen:


 

"Gehfrei" - nicht sinnvoll und gefährlich

Gern werden so genannte Lauflernhilfen an junge Familien verschenkt, um den Bewegungsdrang der älteren Säuglinge zu unterstützen.

Das Problem dabei ist, dass die angeblich dem besseren Lernen des Laufens hilfreichen Geräte eher sogar hinderlich sind: das Kind gewöhnt sich  daran, dass ihm das Gleichgewicht  bei der Bewegung durch den Apparat gehalten wird; es lernt also nicht, es selbst zu halten.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder" e.V. warnt in einem Flyer vor diesen Geräten, die im Jahr etwa 6000 vermeidbare Unfälle verursachen.

Auch die Stiftung Warentest warnt ebenso vor diesen Apparaten, wie die renomierte Zeit  (sehr langer, aber sehr informativer Artikel).

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