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Herausgeber:

Dr. med. Burkhard Keuth, Kinder- und Jugendmedizin, Kinderkardiologie, 50937 Köln

Hat mein Kind eine Hirnhautentzündung?? - Albtraum aller Eltern
Bei der Hirnhautentzündung (medizinisch Meningitis) handelt es sich zu Recht um eine der gefürchtetsten Infektionskrankheiten überhaupt. Regelmäßig fragen Eltern fiebernder Kinder in allen Kinderarztpraxen nach, ob bei dem erkrankten Kind nicht auch eine solche Hirnhautentzündung vorliegen könne. Das Fatale an der Erkrankung ist, dass es bei Vorliegen ganz eindeutiger Symptome manchmal schon zu spät ist. Umgekehrt ist ein eindeutiger, zweifelsfreier Ausschluss der Diagnose selbst in der Arztpraxis oft nicht möglich.
Diese Informationsseite soll Eltern kranker Kinder helfen, einigermaßen den Punkt abzuschätzen, an dem sie nicht mehr warten, sondern unbedingt einen Arzt aufsuchen müssen.

Bei der Hirnhautentzündung handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die durch unterschiedlichste Erreger verursacht sein kann. Übertragen wird die Erkrankung durch Tröpfchen. Die Symptome sind zunächst relativ identisch, unabhängig von der Art des Erregers. Grundsätzlich sind Infektionen durch Viren sowie durch unterschiedliche Bakterien möglich. Die wichtigste Fragestellung der Eltern zuhause („Wann muss ich einen Arzt aufsuchen?“) ist die Gleiche, unabhängig von der Art des Erregers. Wichtig ist die Unterscheidung zunächst vor allem für den Arzt, da die Behandlung unterschiedlich ist.
Besonders gefürchtet sind bakterielle Entzündungen, bei den Berichten in den Medien über verstorbene Kinder und Jugendliche lagen nahezu immer bakterielle Hirnhautentzündungen vor. Übrigens können auch Erwachsene an der Hirnhautentzündung erkranken!



Die häufigste Frage von Eltern ist, woran eine Hirnhautentzündung zu erkennen ist. Das wichtigste Symptom ist das Vorliegen von Fieber, typischerweise in Verbindung mit Kopfschmerzen sowie generell einem schlechten Zustand. Die Kinder sind richtig krank! Im späteren Verlauf kommt es zu Einblutungen in die Haut, wobei in diesem Stadium schon akute Lebensgefahr vorliegt! Das Problem ist, dass abhängig von der Jahreszeit natürlich massenhaft Kinder Fieber haben und viele dann auch Kopfschmerzen, glücklicherweise liegt nicht bei allen eine so schwere Erkrankung vor, sondern meist ein banaler grippaler Infekt.
Es gibt einfache Tests, die auch zuhause durchgeführt werden können. Bei den Kinder ist typischerweise eine sog. Nackensteifigkeit nachzuweisen, d.h. beim Anheben des Kopfes (Kind liegt flach auf dem Rücken) berichtet das Kind über Schmerzen im Nacken, das Kinn lässt sich nicht bis zum Brustbein nach vorne bringen. Der sog. Knie-Kuss ist nicht möglich, d.h. wenn das im Bett sitzende Kind die Beine anwinkelt und sich mit dem Gesicht bis zum Knie vorbeugen soll, wird auch dieser Versuch wegen Schmerzen und Nacken-Rücken-Steifigkeit abgebrochen (Knie-Kuss-Phänomen). Dieser zweite Test funktioniert natürlich nur bei Kindern, die alt genug sind, mitzumachen. Lassen Sie sich diese Tests bei Gelegenheit von Ihrem Kinderarzt beim gesunden Kind zeigen!!


 

Wenn Ihr Kind also Fieber hat, über Kopfschmerzen klagt, schlecht dran ist und die o.g. Tests auffällige Befunde ergeben, aber auch, wenn Sie sich nicht sicher sind, müssen Sie unverzüglich einen Arzt, am Besten aber eine der Kölner Kinderkliniken (Universitätskinderklinik, Kinderkrankenhaus Amsterdamerstrasse oder Porz) oder die Notaufnahme jedes anderen Krankenhauses aufsuchen. Bitte warten Sie nicht, bis Ihr Kinderarzt am nächsten Morgen wieder Praxissprechstunde hat!!


Die genannten Symptome treten bei vielen der an einer Hirnhautentzündung erkrankten Kinder auf, nicht aber bei allen! Gerade Säuglinge haben z.T. noch nicht einmal Fieber. Hier ist der wirklich schlechte Zustand der Kinder wichtig, die Kinder sehen grau und krank aus, schreien schrill.



Zuletzt noch ein paar Worte zur Vorbeugung. Da es sich um eine Tröpfcheninfektion handelt, kann eine Ansteckung jederzeit und überall erfolgen.
Die einzige Möglichkeit, sich zumindest vor einigen der zahlreichen Bakterientypen effektiv zu schützen, liegt in der Teilnahme an den angebotenen Schutzimpfungen.
Gegen den Erreger Haemophilus influenzae Typ B (HiB) gibt es einen Impfstoff, der mit den im Säuglingsalter üblichen 5-fach oder 6-fach Kombinationsimpfungen mit verabreicht wird. Weitere Impfstoffe existieren gegen verschiedene Meningokokkentypen sowie gegen Pneumokokken. Wir beraten Sie gerne, Informationen zu den Impfstoffen, ihrer Wirksamkeit und ihren Nebenwirkungen erhalten Sie im Internet auch beim Robert-Koch-Institut ( www.rki.de ).

Glücklicherweise sind Hirnhautentzündungen keine besonders häufigen Erkrankungen. Für die Familien, die es trifft, stellen Sie aber eine existenzbedrohende Gefährdung und absolute Katastrophe dar!
Lassen Sie sich bitte im Interesse Ihrer Kinder von Ihrem Kinderarzt beraten!


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